Jeder zweite Bundesbürger hat schon einmal ein homöopathisches Arzneimittel eingenommen, ein Viertel der Bundesbürger nehmen sie sogar regelmäßig ein. Sechs von zehn Erkältungspatienten haben Homöopathika schon einmal geholfen.
„Homöopathika sind ein Baustein der Selbstbehandlung. Aber wie bei allen Medikamenten sollten sich Patienten vor ihrer Anwendung beim Apotheker informieren. Er kann beurteilen, wann ein Arztbesuch nötig ist“, so Karin Graf, Vorstandsmitglied der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände.
Homöopathische Arzneimittel werden meist mehrmals täglich eingenommen. Sie sind in der Regel gut verträglich und auch für Kinder geeignet. Komplex-Homöopathika enthalten verschiedene Einzelmittel und können bei so gut wie jeder Erkältung eingenommen werden.
Bei der Auswahl eines Einzelmittels achtet der Apotheker auf die individuelle Ausprägung der Erkältung. Zum Beispiel sind Homöopathika mit Aconitum geeignet, wenn die Haut trocken und heiß ist, der Patient friert und das Fieber schnell ansteigt.
Es ist auch das Homöopathikum der Wahl, wenn das Kind sehr unruhig und ängstlich ist. Belladonna ist hilfreich, wenn die Haut heiß und feucht ist oder wenn das Kind Fieberfantasien hat.
Stehen Gliederschmerzen im Vordergrund, wird der Apotheker eher zu Eupatorium raten. Wer spürt, dass eine Erkältung „im Kommen ist“ und unter kalten Händen und Füßen leidet oder ein Kribbeln in der Nase spürt, kann zu Camphora greifen.
Regeln für die Anwendung
- Am bekanntesten sind flüssige Mittel, die so genannten Dilutionen. Sie enthalten immer Alkohol; daher sollten kleine Kinder, schwangere und stillende Frauen und Menschen, die mit Alkohol Probleme haben und konsequent alkoholfrei leben wollen, besser die Streukügelchen (Globuli) oder Tabletten nehmen.
- Ein bisschen umständlich einzunehmen sind die Pulver, die man Verreibungen oder Triturationen nennt.
- Es gibt auch Lösungen zum Spritzen, aber die bleiben dem Arzt vorbehalten.
- Es gibt Grundregeln, wie viel man von den Arzneimitteln pro Einzelgabe nimmt. Meistens kann man eine Einzeldosis von 3 bis 5 Tropfen einer Dilution ersetzen durch 1 Tablette oder 3 bis 5 Streukügelchen.
- Homöopathische Mittel sollten am besten über die Mundschleimhaut aufgenommen werden.
- Behalten Sie dazu die Tropfen ein Zeit lang im Mund, bevor Sie sie herunterschlucken; manche Heilpraktiker empfehlen auch, darauf quasi herumzukauen oder Dilutionen wie ein Bonbon zu lutschen.
- Tabletten oder Globuli können Sie unter die Zunge legen oder in die Backentasche stecken; das hat sich auch bei Babys oder Kleinkindern bewährt. An der feuchten Mundschleimhaut lösen sie sich langsam auf.
- Verwenden Sie für die Einnahme keine Metalllöffel, denn das Metall könnte die Arzneiwirkung verändern. Besser einen Plastiklöffel nehmen oder Dilutionen gleich auf die Zunge tropfen.
Wann nimmt man Homöopathika ein?
- Homöopathische Mittel sollten etwa eine halbe Stunde vor dem Essen genommen werden oder morgens nüchtern nach dem Aufstehen oder abends vor dem Zubettgehen.
- Meiden Sie während der Behandlung Genussmittel wie Alkohol, Kaffee, starken Schwarztee oder Rauchen. Es gibt auch andere Stoffe, die die Wirkung der Mittel beeinträchtigen können. Zu diesen Störstoffen gehören starke Gewürze, ätherische Öle oder allgemein stark riechende Stoffe wie Kampfer.
- Nehmen Sie immer nur die verordnete Menge des Mittels. Die Methode “viel hilft viel” bringt nichts und stört den Körper nur.
Wie oft nimmt man Homöopathika ein?
Als Faustregel für die Einnahmehäufigkeit gilt :
- bei hoch akuten Beschwerden alle 2 bis 10 Minuten eine Dosis.
- bei akuten Symptomen alle halbe bis jede Stunde eine Dosis.
- bei Besserung und abklingenden Beschwerden 2- bis 3-mal täglich oder seltener eine Dosis; dies gilt meistens auch bei chronischen Beschwerden.
- Heben Sie die homöopathischen Mittel übersichtlich geordnet an einem trockenen kühlen Ort auf. Das Badezimmer ist nicht der richtige Ort für Ihr Arzneischränkchen, denn auch andere Medikamente vertragen feuchte, heiße Luft schlecht.
- Stellen Sie die Mittel nicht in die pralle Sonne oder in den Kühlschrank oder gar ins Gefrierfach, denn extreme Temperaturen vertragen sie schlecht.
- Ungeöffnete Packungen halten sich mindestens fünf Jahre.
Noch ein Tipp am Rande: Wenn kleine Kinder in Ihrem Haushalt leben, soll das Arzneischränkchen unbedingt außer Reichweite der Kleinen aufgehängt oder aufgestellt werden und abschließbar sein.
Für die Reise sind feste Arzneiformen wie Tabletten oder Globuli praktischer als Lösungen. Manche Homöopathen empfehlen, die Mittel bei einer Flugreise in eine Fototasche zu geben, die die Höhenstrahlen abschirmt.










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