Wed. - 10.03.2010 - 14:34

EXKLUSIV - 29. Januar 2010

US-Asyl für Deutsche Familie

romeike US Asyl für Deutsche FamilieUm ihre Kinder zu Hause unterrichten zu können, hat eine baden-württembergische Familie in den USA politisches Asyl erhalten. Sie bestehen darauf, ihre fünf Kinder daheim zu unterrichten, was in Deutschland nicht möglich ist.

Die Familie ist einer evangelikalen Glaubensrichtung verbunden, die das Evangelium weitgehend wörtlich nimmt. Die in Deutschland allgemeine Schulpflicht empfanden sie als unvereinbar mit ihrem Glauben.

Weil der Lehrplan und die gebräuchlichen Schulbücher nicht ihren christlichen Werten entsprachen, wollten Uwe und Hannelore Romeike ihre Kinder zu Hause unterrichten, anstatt in einer Schule, in deren Unterrichtsmaterial zum Sexualkundeunterricht sie nach eigenen Angaben auf obszöne Ausdrücke für Geschlechtsverkehr stießen.

“Während der letzten zehn bis 20 Jahre lief der Lehrplan in öffentlichen Schulen immer mehr christlichen Werten zuwider”, erklärte der Familienvater. In der Schule seien seine ältesten Kinder mit Gewalt, Schikanen und Druck von Gleichaltrigen konfrontiert worden. “Es ist heute in den öffentlichen Schulen wirklich anders als in meiner Zeit”, sagt Romeike. “Sie glauben, dass Kinder sozialisiert werden müssen und dass alle Kinder auf die gleiche Weise aufwachsen sollen.”

Sie nahmen ihre drei ältesten Kinder im September 2006 aus der Grundschule, um “ihnen eine gesunde Herzens- und Charakterbildung zu vermitteln”, wie sie in einem Schreiben begründeten.“

Danach sprach der Rektor mit den Eltern über ihre Bedenken und forderte sie auf, ihre Entscheidung zurückzunehmen. Auch der Bürgermeister schrieb nach Angaben Romeikes einen Brief, in dem er Geldbußen androhte - 30 Euro pro Tag und Kind.

Als die Romeikes der Aufforderung nicht nachkamen, ihre Kinder in die Schule zu schicken, klingelte im Oktober 2006 die Polizei an ihrer Haustür in Bietigheim-Bissingen nördlich von Stuttgart. “Wir versuchten, die Tür nicht zu öffnen”, erinnert sich Uwe Romeike. “Aber sie klingelten 15 oder 20 Minuten lang. Sie riefen uns an und sprachen auf den Anrufbeantworter und sagten, sie würden die Tür eintreten, wenn wir nicht aufmachen. So habe ich aufgemacht.” Die Beamten brachten die aufgeregten und weinenden Kinder zur Schule.“

Der strenggläubigen Familie Romeike aus Baden-Württemberg müsse Schutz gewährt werden, weil eines ihrer fundamentalen Grundrechte verletzt worden sei, zitieren amerikanische Medien die Entscheidung eines Richters im Staat Tennessee.

Das sei umso bedenklicher, weil Deutschland ein demokratisches Land sei, dessen Politik in diesem Falle “allem widerspricht, woran wir als Amerikaner glauben”, sagte Richter Lawrence Burman demnach. “Dieses Urteil ist beschämend für Deutschland. Wir hoffen, es wird Deutschland davon abhalten, Heimschüler weiter zu verfolgen.”

“Menschen, die ihre Kinder zu Hause unterrichten wollen, sind eine besondere soziale Gruppe, die die deutsche Regierung zu unterdrücken versucht. Diese Familie hat eine gut begründete Furcht vor Verfolgung”, zitiert der Verband der amerikanischen Heimschulen ihren eigenen Juristen.

Uwe Romeike sagte amerikanischen Medien, er sei sehr glücklich über dieses Urteil. Seine Familie schätze die Freiheit in den USA und wolle sich in Tennessee ein neues Leben aufbauen.

Bis in die Kleinstadt Morristown im US-Bundesstaat Tennessee reisten sie im Sommer 2008 mit ihren fünf Kindern, um der Staatsgewalt zu entkommen.

Romeike sagt, er habe Angst, nach Deutschland zurückzukehren. Er fürchte, dass er dann festgenommen werden könnte und dass den Eltern die Kinder im Alter von drei bis elf Jahren weggenommen werden könnten.

Ein Sprecher der „US Immigration and Customs Enforcement“ lehnte eine Stellungnahme ab.

In den USA ist der Heimunterricht hingegen ein wachsender Trend: 2007 wurden etwa 1,5 Millionen Kinder im Elternhaus unterrichtet, die Zahl steigt jährlich um schätzungsweise acht Prozent. Für Deutschland schätzen Experten die Zahl der hartnäckigen Schulpflichtverweigerer auf etwa 500.

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